In seinem Buch ›Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?‹ (die englische Originalausgabe ist 2009 erschienen) konstatiert der Kulturwissenschaftler Mark Fisher, »daß es notwendig ist, die wachsende Problematik von Stress (und Verzweiflung) in kapitalistischen Gesellschaften neu zu begreifen.«
Er schreibt:
»Man behandelt psychische Krankheiten, als würden sie lediglich durch ein chemisches Ungleichgewicht im neuronalen System des Individuums und/oder durch ihren familiären Hintergrund verursacht. So werden psychische Probleme privatisiert und jegliche Frage nach einer gesellschaftlichen, systemischen Ursache ausgeschlossen. (…)
Falls, wie Deleuze und Guattari behaupten, die Schizophrenie die äußere Grenze des Kapitalismus markiert, dann sind bipolare Störungen die zum Innenraum des Kapitalismus passenden Geisteskrankheiten. Mit seinem unaufhörlichen Boom-Bust-Zyklus ist der Kapitalismus auf fundamentale und irreduzible Weise bipolar; er schwankt periodisch zwischen einer überdrehten Manie (die irrationale Übertreibung eines ›Denkens in Blasen‹) und dem depressiven Runterkommen (der Ausdruck ›Wirtschaftliche Depression‹ ist selbstverständlich nicht zufällig entstanden).«
Hier geht’s zum Hörspiel FORTUNA. Sport Kunst Politik (2018), in dem Mark Fisher zitiert wird; und hier geht’s zum Projekt KRANK IN EUROPA (2019)