Vermessene Welt #1: DER GESANG DER DROHNEN
Eine Meditation.
THEATER AM WERK im Kabelwerk, September 2026
Konzept / Raum / Text / Sound / Performance: Otmar Wagner
Cutman / Operator / Oszi / Sound: Michael Strohmann
Sparring: Johannes Maile
Produktionsleitung: Partner In Crime, Julia Neuwirth
In Koproduktion mit Theater am Werk und mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien
Stellen Sie sich ein Floß vor, das auf einem Fluss aus Scheiße, Schönheit und Geld gemächlich in ein vollkommen verseuchtes Meer treibt. Stellen Sie sich vor, auf dem Floß befindet sich ein Mensch, der sich Wachs in die Ohren stopft, um seine hohlen Organe zu schützen, während er mit seinem Schwindel und seinem Gleichgewicht kämpft. Stellen Sie sich vor, dieser Mensch ist nicht allein, denn Sie sind Teil der Besatzung. Gemeinsam fließen Sie dahin, verirrte Otolithen im Ohr.
Otmar Wagner kreiert eine performative Wellness-Zone, ein offenes Environment, in dessen Zentrum ein Bett steht. Im Bett liegend schaut er in einen fiktiven Himmel, der Himmel schaut zurück. Il cielo in una stanza. Grundtöne oszillieren, Gedanken schwanken durch den Raum, verkriechen sich im Kühlschrank, entleeren sich im Urinal. Der Künstler exorziert einen gleichförmigen, nahezu stillen Gesang über sich selbst und das, was ihn umgibt. Eine Drohne hebt ab und singt mit. Aus anthropofugaler Perspektive zeigt sich das ganze Ausmaß des Bemessens, Vermessens, der Anmaßung und der Vermessenheit, also all das, was die persönlichen, gesellschaftlichen und philosophischen Fragen seiner Restbiografie flankiert.
Angesichts der aktuellen Lage verabschiedet sich Otmar Wagner von diskursiven, essayistischen Strategien. Als programmloser Aufstand gegen die durch Technologie und Politik verursachte Unterdrückung all jener schöpferischen Ausbrüche und Ausdrücke, die ein sensibler Mensch zu seinem Leben braucht, wendet er sich einem subtextuellen Verfahren zu, in dem sich Kunst in ambivalenter, vergifteter Schönheit zeigt und zweckbefreiten, hybriden Un-Sinn stiftet.
BARBAREI KENNT KEINE KUNST
3 Fragen an den Künstler Otmar Wagner
Dein Abend trägt den Untertitel ›Eine Meditation‹. Und nach der Beschreibung Deines künstlerischen Zugangs in dieser Arbeit, mutet dieser Untertitel irgendwie auch heilsam an. Wird dieser Abend heilsam?
Ja klar.
Dein Projekt beschreibst Du auch als ein Abgesang auf essayistische Strategien in Deiner künstlerischen Arbeit, die Du bisher angewandt hast. Warum verabschiedest Du Dich von diesen Strategien?
Essayistische Strategien sind in meinem Fall seitliche Suchbewegungen und Assoziationstrips, die eine veränderte Perspektive auf persönliche, gesellschaftliche und politische Themen und Diskurse anbieten. Sie machen Sinn in einem Klima, in dem es Aussicht auf soziale Utopien gibt. Wird diese Aussicht willentlich getrübt, absichtlich verhindert oder gewaltsam versperrt, bleibt dem sensiblen Menschen die Produktion von Un-Sinn als Spiegel dieser Gewaltsamkeiten. Barbarei kennt keine Kunst. Da das Summen zu einem Dröhnen wird und der Diskursraum zu einem Kriegsschauplatz der Meinungen, ist es Zeit für mich, genau diesen Moment zu performen, in dem sich meine Kunst in ihrer Empfindlichkeit, Schwäche und Ohnmacht schleichend zersetzt.
Drohnen sind im Titel, Drohnen kommen zum Einsatz – was bedeutet dieses Objekt für Dich? Bzw. wofür steht es für Dich? Bzw. wie kam es dazu, dass es essentiell inhaltlicher Bestandteil dieser Arbeit wurde?
Erstmal war die Drohne für mich ein Begriff, der für viele unterschiedliche Assoziationen Raum gibt. Natürlich denken viele zuallererst an die Kampfdrohnen-Massaker an aktuellen Kriegsschauplätzen. Oder an die vielen schönen ›Die Welt von oben‹-Dokus. Mein Zugang ist da eher musikalisch. Wenn der Nato-Generalsekretär meint, dass das Summen der Maschinen zum Dröhnen werden müsse, so denke ich, dass das Dröhnen der Drohnen auch zu einem Summen werden kann, wie das Geräusch eines Kühlschranks oder der Klang einer Tanpura, zu einem vielstimmigen Bordun, aus dem sich möglicherweise eine Blase der Befriedung bildet. Wenn ich so etwas schreibe, frage ich mich allerdings: Bin das noch ich, oder ist das schon mein AI Agent? Wir wissen es nicht.
(Die Fragen stellte Esther Holland-Merten.)








































