Selfie-Toaster

Der Selfie-Toaster kam Mitte der 2010er Jahre für ca. 59 Euro plus Versandkosten auf den Markt. Das Gerät toastet ein vorher geschossenes Selbstportrait auf eine Scheibe Weißbrot.
Das Selbstportrait ist entstanden mit dem in der Renaissance aufkommenden Selbstbewußstein des Künstlers als autonomes Subjekt – und mit ihm emanzipiert sich der Bürger als autonomes Subjekt.
Mit dem Selfie-Toaster zelebriert sich das Ende dieser Emanzipation im Hochamt der freien Marktwirtschaft: jeder Bürger hat die Möglichkeit, sich sein Selbstbild am Frühstückstisch symbolisch einzuverleiben.

Der Selfie-Toaster verwandelt das Toastbrot in eine Hostie. Das Selbst wird leibhaftig Gott: anti-emanzipatorisch, ein Untoter, dazu verdammt, sich selbst zu konsumieren, um in diesem seltenen Moment Herrschaft zu verspüren – über sich – und darüber hinaus: über die ganze Welt.
Das ist der Gewinn.
Die radikale Selbstausbeutung des kapitalistischen Leistungssubjekts geht einher mit permanenter Arbeit am Selbst-Design und an Selbst-Inszenierung, im Warten auf irgendeinen Gewinn.
Das Selfie ist die Ikone der Selbst-Repräsentation auf der ganzen Welt, im Warten auf irgendeinen Gewinn.

(Motiv aus der Essay-Performance WUNDE WELT #1: Imperative der Identität, 2017-2024)